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Aristoteles, Athen, Aufklärung, Cordoba, Denken, Entmündigung, Griechenland, Kant, Wissen
Es muss wohl ein lauer Abend gewesen sein im Chalkis des Jahres 325 v. Chr. Aristoteles – mit seinen knapp 60 Jahren auch nicht mehr der Jüngste – tritt vor sein Haus und … stolpert beinahe über die Müllsäcke, die sich in den Gassen türmen. “Diese verdammten Kinder Phöniziens”, flucht der berühmte Philosoph. “Welch wissenschaftlicher Fortschritt und sie benehmen sich immer noch wie Tiere!”
Fortschritt oder Entmündigung?
Ich habe heute früh etwas in der SonntagsZeitung geschmökert und der Artikel, der mich heute zum schreiben angeregt hat, handelte von der aktuellen Misere Griechenlands. Da war auf dem Begleitbild eine Strasse zu sehen, die nur noch im entferntesten als Transportweg zu erkennen war. Müllsäcke über und über. Diese unfähige Regierung, die all das Geld verprasst hat und die Bewohner nun im Müll ersticken lässt.
Ich will weder die griechische Regierung noch deren wirtschaftliche Fähigkeiten in Schutz nehmen, aber es ist schon eigenartig wie die fortschrittliche Lebensweise zur Entmündigung des Bürgers geführt hat.
Die eigene Ohnmacht als Lebensstil
Man muss sich doch mittlerweile fragen, wie die Menschen zuvor überlebt haben? Das aktuelle System ist nach einem halben Jahrzehnt am Boden. Es schwächt die Schwachen und stärkt die Starken. Der Starke braucht dem Schwachen nur ab und zu ein Zückerchen hinzuhalten und schon gibt er wieder Ruhe.
Da stellt sich auch gerade die nächste Frage: Zu was erziehen wir eigentlich unsere Kinder? Zu Erwachsenen bestimmt nicht, denn die Erwachsenen behandeln wie Kinder und werden auch wie solche behandelt.
Bildung regt zu wissen an, nicht zu denken
Die Schule ist eine wunderbare Sache. Der Lehrer hat eine grosse Bedeutung. Er ist nämlich in der Lage, anderen zu helfen. Aber die Schule ist auch etwas, dass nie zu Ende ist. Die Schule kann man nicht abschliessen.
Werfen wir einen Blick in ein Cordoba der Vergangenheit. Ein Cordoba, das das europäische Zentrum des Wissens darstellt. Es verfügt über eine Bibliothek mit über 500’000 Bänden, während die nächstgrössere Bibliothek jene von St. Gallen ist – mit 24 Bänden. Gut sortierte Bibliotheken gibt es seither überall, doch was vermitteln sie … und wieviel Zeit wird in ihnen verbracht?
Es ist überliefert, dass in Cordoba Herrscher Seite an Seite mit Gelehrten, aber auch mit einfachen Leute sassen und lehrten und lernten. Und zwar bis ins hohe Alter.
Aufklärung als Selbstoffenbarung
Ich erinnere mich noch wie mein Bruder mir einst gesagt hat: “Auch wenn du die Schulmathematik nie brauchen wirst, ist sie gut für deinen Kopf.” Ich denke, das gilt für alles Wissen, solange es das Denken anregt.
Kant mag mit der Aufklärung Recht gehabt haben, aber wie aufgeklärt ist man, wenn man sich von anderen aufklären lässt?