Heute möchte ich mal vom internationalen Geschehen abkommen und mich von diesem Interview mit der Ex-Miss Schweiz Amanda Ammann für den heutigen Tages-Anzeiger inspirieren lassen.
Die 24-jährige Ammann wirkt offenbar entschlossen den gängigen Missen-Klischees entgegen und zeigt politisches Engagement. Sie gehe immer abstimmen und wählen. Sie hat auch Erklärungen für das Desinteresse des weiblichen Geschlechts für Politik. Entweder hätte es keine echten Probleme bzw. sei es zufrieden mit dem Status Quo. Obwohl sie wenige Fragen später meint, die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der Schweiz sei akut. Aber auch zu kompliziert könnte die Politik sein oder die Gangart sei zu hart. Es bestünde also die Möglichkeit, das weibliche Geschlecht sei dafür zu sanft (schlussfolgere ich).
Mit diesen Aussagen spielt sie der gängigen (aber wohl unangebrachten) Meinung zu, Frauen wären für die Politik zu emotional. Später sagt sie, sie habe auch viele Frauen gewählt, da sie sachlicher und lösungsorientierter arbeiten würden. Dies geht offenbar Hand in Hand mit ihrer Meinung die Politik sexyer zu machen. Gattinen Obama und Bruni würden es schliesslich vormachen und nicht so bieder in Erscheinung treten wie Schweizer Politikerinnen.
Sie kommt im Interview sympathisch rüber – oder liegt das an ihrer Erscheinung? Sie ist zweifellos attraktiv. Doch soll das meinen Wahlzettel beeinflussen? Ich erinnere mich an eine kürzlich veröffentlichte Studie (obwohl ich kein Fan von Studien bin …) wonach Frauen gut und gerne ihren Körper einsetzen (sollen) um zum Erfolg zu kommen. Entstand Feminismus (… von dem ich ebenfalls kein Fan bin) nicht um Frauen mehr als nur Aussehen zu attestieren?
Ist es ausserdem korrekt Frauen zu wählen nur damit Frauen in Parlamenten, Gremien, Aufsichtsräten präsent sind? Ist das nicht die Tour der SVP, die mit ihren populistischen Reden und Kampanien die Leute glauben macht, sie würden etwas zur Politik beitragen und diese dann kopflos SVP wählen?
Dass jede Gruppe/Minderheit vertreten sein sollte, ist nötig und korrekt. Dies soll auch zur Sensibilisierung und zum Miteinander beitragen, aber wenn nach Sympathien drauflos gewählt wird, dann könnten wir auch genauso gut die Parlamentszusammensetzung auslosen … wobei ich mir sicher bin, das wäre bei weitem das kleinere Übel.